Die Atmos Uhr

Die Geschichte der legendären ATMOS Uhr:

In den späten 1920er Jahren experimentierte Jean-Leon Reutter, ein junger Pariser Ingenieur, mit einer Uhr, die keine direkte mechanische oder elektrische Energie zum Laufen benötigen sollte. Kurz gesagt eine Uhr, angetrieben nur durch Energie, die aus der Umgebung gewonnen werden sollte.
Seit Jahrhunderten hatten viele Wissenschaftler wie Leonardo Da Vinci mit der Idee des Perpetuum Mobile experimentiert. Man findet Namen wie Pierre de Rivaz (1740) oder James Cox und John Merlin (1760), die mit Temperatur- und Luftdruckveränderungen Energie für Uhren zu gewinnen versuchten.  Aber nur J.L. Reutter schließlich gelang es diese Gedanken in die Konstruktion einer funktionierenden Uhr umzustezen. Dieser Traum vom „Perpetuum Mobile“ ließ J.L. Reutter ein Uhrwerk produzieren, das nur ein Minimum an Energie benötigt – also quasi keine Reibungsverluste hat – um mit einem absoluten Minimum an Energie dennoch zufriedenstellend zu laufen.

aus Originalprospekt Reutter ATMOS

aus Originalprospekt Reutter ATMOS

Nach dem Studium des Aufbaus von 400-Tage Uhren, die zu dieser Zeit ja sehr populär waren, hat J.L. Reutter erhebliche Änderungen an diesem Konzept vorgenommen. Reutters Modifikationen der 400-Tage-Uhr enthalten Änderungen an der Hemmung, der Hebelwirkung, sowie das Hinzufügen von Lagersteinen. Seine neue Uhr lief nun sicher und vor allem sehr zuverlässig. Reutter war als „Radiologic Engineer“ bei der „Company Generale de Radiologie“, die nun in 1929 mit der ersten Produktion der „Reutter ATMOS“ begann, mit J.L. Reutter als Manager dieser ersten Fabrikation.

Dieses neue Uhrendesign (1928-38) enthielt ein spezielles Teil, das seiner Uhr genügend Energie liefern sollte, um quasi unbegrenzt laufen zu können.

Funktionsweise Quecksilbermotor Reutter ATMOS

Funktionsweise Quecksilbermotor Reutter ATMOS

Er nutzte dabei zwei in einer „U-Form“ miteinander verbundene kleine Glasbehälter, die mit Quecksilber und einer kleinen Menge Ammoniak gefüllt waren. Dieses „Glasröhrchensystem“ reagierte auf kleinste Temperaturänderungen, veränderte so den Schwerpunkt des Behälters und schwenkte quasi vor und zurück (wie ein BiMetall) und zog dabei eine normale Uhrenfeder über eine Ratsche auf. Dieses Glasröhrchensystem ist in dem runden Behälter verbaut, den wir heute – bei den „modernen“ ATMOS – als Druckdosenhülle kennen.

Das Ergebnis von Reutters Entwicklungsleistung war eine geniale neue Uhr, anders als alles andere was bis dahin entwickelt war. Eine Uhr, die unabhängig und kontinuierlich und so unglaublich reibungsarm war, dass sie durch geringste Temperaturschwankungen Laufenenergie gewinnt und kontinuierlich läuft, daher der Name: „ATMOS Uhr“.
Für die Physiker unter uns :

Neue Messungen einer Kal 540 haben ergeben, dass die durchschnittlich benötigte Energie für eine ATMOS Kal 540 0,033 Mikrowatt beträgt. Und davon werden 15% durch das Drehpendel und 85% durch das Werk „verbraucht“.

Ref.:Publication Clemson University 1-2015 Operating Principles, Common Questions, and Performance Data for an Atmospheric Driven Atmos Clock S.:12

Ref.:Publication Clemson University 1-2015 Operating Principles, Common Questions, and Performance Data for an Atmospheric Driven Atmos Clock S.:12

Schnittbild ATMOS Kal 540

Schnittbild ATMOS Kal 540

Die Anfangsproduktion in den frühen dreißiger Jahren lief schleppend und der Mangel an Begeisterung während dieser Zeit machte die Produktion der ATMOS schwierig. Ab 1938 wurde, nicht zuletzt wegen der Gefahren mit dem fragilen Röhrchensystem, ein neues Design der Druckdose eingeführt. Zwischenzeitlich hatte LeCoultre im Jahr 1935 offiziell alle Rechte an der ATMOS erworben und danach noch ein paar Jahre an der Verfeinerung des Konzeptes und der Lösung einiger Probleme, wie der Funktion der Druckdose gearbeitet.

Das technische Konzept der mit Ethylchlorid gefüllten ATMOS Druckdose ist eine bemerkenswerte Lösung: Innerhalb einer dichten Kapsel dehnt sich bei steigender Temperatur eine Mischung aus Gas und Flüssigkeit aus und wird durch ein Gegenfedersystem, bei sinkender Temperatur wieder zusammengedrückt. Ein „hin und her“ wie ein winziges, unsichtbares Akkordeon. Diese Bewegung zieht wiederum die Aufzugsfeder auf. Ein kumulierter Temperaturunterschied von nur einem Grad pro Tag reicht für mehr als zwei Tage „Betrieb“.

Nun begann die Produktion der ATMOS II, auch ein Modell ATMOS III wurde in der Zwischenzeit entwickelt und bis 1952 hatten 50.000 Uhren ATMOS II und ATMOS III ihre neuen Eigentümer gefunden.

In 1979 wurde zum 50.Geburtstag der ATMOS nicht nur eine wunderschöne „Geburtstags-ATMOS“ mit der auf 1500 Stück limitierten „Jubilé“ angeboten.

ATMOS Jubilé

ATMOS Jubilé

Auch konnte das Unternehmen in 1979 die magische Grenze von insgesamt 500.000 verkauften ATMOS feiern. Mit der Kombination von Wissen und Know-how von Ed Jaeger, der in den Dreissiger Jahren mit LeCoultre zusammenging und LeCoultre im Unternehmen „Jaeger-LeCoultre“ ist die ATMOS-Uhr zu einem einzigartigen Erfolg geworden. Sie ist ein Stück Uhrengeschichte und sie fasziniert viele Freunde schöner und einzigartiger Uhren in der ganzen Welt.

Viele verschiedene ATMOS Typen, Kaliber und Sonderserien können Sie in unserer Galerie sehen.